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ENV-Maßnahmen staatlicher Akteure und Hilfsorganisationen

Die Rahmenbedingungen für eine praxistaugliche staatliche Ernährungsnotfallvorsorge haben sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert. Wie kann der staatliche Anspruch einer qualitativen und quantitativen Mindestversorgung der Bevölkerung bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des Marktes mit seiner Allokationsfunktion gemeinsam mit der Privatwirtschaft durchgesetzt werden? Die zentrale Forschungsaufgabe des AP 3 besteht darin, Anforderungen an ein Konzept der integrierten ENV aus behördlicher Perspektive zu erarbeiten. Hier ist auch die Rolle der Hilfsorganisationen von Bedeutung, da diese ein wichtiges Bindeglied zwischen staatlichen Akteuren und der Bevölkerung darstellen und im derzeitigen staatlichen ENV-Konzept während einer Versorgungskrise wichtige Aufgaben bei der Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln aus der staatlichen Reserve erfüllen würden.

Untersuchung des Verbesserungspotenzials von ENV-Maßnahmen staatlicher Akteure und Hilfsorganisationen

Untersuchungsgegenstand des Kompetenzzentrums Humanitäre Hilfe der Fachhochschule Münster ist die Rolle der Behörden und Hilfsorganisationen bei der Sicherung der Kritischen Infrastruktur Lebensmittelversorgung im Krisenfall.

Folgende Ziele, die zur Entwicklung neuer Strategien der ENV führen sollen, werden im Teilvorhaben verfolgt:

  • Analyse der bestehenden staatlichen Vorsorgeplanungen auf ihre Einsatzmöglichkeit und Praxistauglichkeit für den Krisenfall als Grundlage für die Entwicklung staatlicher Handlungsstrategien,
  • Untersuchung der Reagibilität der staatlichen Vorsorge (organisatorische Strukturen, materiell-investive Vorkehrungen),
  • Analyse der Rolle der Hilfsorganisationen als Bindegliedfunktion zwischen staatlichen Akteuren und der Bevölkerung,
  • Untersuchung der Kooperationsmöglichkeiten mit der privatwirtschaftlichen Lebensmittelversorgung: welche Konzepte könnten für eine gemeinschaftliche Krisenbewältigung der privatwirtschaftlichen Akteure mit behördlicher Unterstützung erarbeitet werden?
  • Vergleichende Betrachtung der ENV-Maßnahmen ausgewählter Länder in Europa, um erfolgreiche Maßnahmen an die Situation in Deutschland anzupassen und zu übertragen.

 

Ernährungsvorsorgemaßnahmen aus Sicht der Hilfsorganisationen

Das Deutsche Rote Kreuz, als „freiwillige Hilfsgesellschaft der deutschen Behörden im humanitären Bereich“ sowie als mitwirkende Organisation bei der Erfüllung der Aufgaben des Katastrophenschutzes in Deutschland, verpflichtet sich gemäß der Definition des Betreuungsdienstes, „bei Störungen oder Ausfall gesellschaftlicher, sozialer oder medizinischer Strukturen, Menschen in Notlagen, die jedoch keiner sofortigen akutmedizinischen Behandlung bedürfen, Hilfe anzubieten“. Dazu gehört auch die Versorgung und Verpflegung von Betroffenen und Einsatzkräften. Vor dem Hintergrund der sich wandelnden Sicherheitslage müssen diese Konzepte auf die neuen Herausforderungen angepasst werden. Um Ausfällen der KRITIS von Organisationen und Einrichtungen zu begegnen, müssen sowohl die Hilfsorganisationen als kritische Infrastruktur selbst ausfallfest organisiert als auch ein einheitliches Risiko- und Krisenmanagement bei Staat, Hilfsorganisationen und Unternehmen eingeführt werden. Dies gilt besonders für den sensiblen und kritischen Bereich der Ernährungsvorsorge. Ziel innerhalb des Forschungsprojektes NeuENV ist es deshalb, zum einen das öffentliche Problembewusstsein zu schärfen und die Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung zu erhöhen (Stichwort Lebensmittelbevorratung). Zum anderen sollen parallel dazu die eigenen Strukturen an die neuen Herausforderungen angepasst werden und diese Umstrukturierungen auch für andere Hilfsorganisationen umsetzbar sein, um auch zukünftig die Ernährungsnotfallversorgung sicherstellen zu können.